Die große Glocke erzählt

Sicher habt ihr schon von uns gehört, einzeln oder vereint im Geläut. Nehmt ihr uns bewusst wahr und was wisst ihr über uns? Zum Kennen- und Liebenlernen, stelle ich uns hier einmal vor.

Ich selbst bin die größte und älteste Glocke der Grötzinger evangelischen Kirche. 1621 wurde ich aus einer anderen Glocke gegossen. Aus meinem Gewicht von 1350 kg und dem Durchmesser von 1,421 m mache ich kein Geheimnis. Zur Bestimmung meines Schlagtones ist schon eine genaue Tonanalyse notwendig, danach liegt mein Schlagton zwischen d' und des', genau d'-8. Zahlreiche weitere Töne schwingen mit, wenn ich erklinge und machen somit unser Geläute erst typisch und interessant. Als Inschrift trage ich das alte Wort: "Als min Gelud sol worden Gehort. So gedenket alle Zeit an Godt sin wort". Damit weise ich auf meine Funktion als Betglocke hin. Am Werktag morgens 7:00 Uhr und abends 19:00 Uhr bin ich zu hören und viele halten dann zum Beten still. Zu jeder Stunde schlage ich die Zeit und begleite einen Verstorbenen bei seiner Überführung oder Beerdigung, deshalb werde ich auch die Totenglocke genannt.

Seit 1952 habe ich zwei Schwestern, die Hochzeitsglocke (1017 kg, Durchmesser 1,21m) und die Taufglocke (496 kg). Wilhelm Mössinger gibt in seinem Heimatbuch die Schlagtöne mit f und as an.

Die Inschrift der Hochzeitsglocke über einem Kreuz lautet: "Gott ist getreu, der euch ruft!". Sie läutet mittags um 11:00 Uhr und zusammen mit der Taufglocke in einer Mollterz 30 Minuten vor einer Trauung.

Die Taufglocke ruft: "Lasset die Kindlein zu mir kommen". Sie ist mit einem Engel verziert. Mit ihr wird zu den Gottesdiensten vorgeläutet und sie ertönt zum "Vater unser" während der Gottesdienste. Da weiß sich dann jeder Daheimgebliebene im Gebet mit der Gemeinde vereint.

Lange mussten wir auf die Vollendung unseres Klangbildes warten. Erst 1990 wurde unser Geläut wie vor dem 1. und 2. Weltkrieg wieder vervollständigt. Dank den Heimatfreunden, die die Heimatglocke spendeten. Mit 408 kg und einem Durchmesser von 86 cm ist sie die Kleinste. Sie ist mit einem Relief verziert, das eine stilisierte Ansicht von Grötzingen darstellt. Ihr Schlagton liegt zwischen h' und b' (h'-5). Mit vier Glocken sind nun weitere Variationen von Teilgeläuten möglich geworden. "Lasst mich der Erdenheimat Preis euch singen, bis ihr zur oberen Heimat ein dürft dringen". Mit dieser Inschrift stimmt sie nun zum vollen Geläute in einer Dur-Mollmischung mit ein, das den Sonntag einläutet und zu den Gottesdiensten einlädt.

aus den Akten zusammengestellt von Ulrich Schadt
und
notiert von Christiane Jäger

Glocke mit Relief